Best of Gastro · Feminism

Best of Gastro-Life: Und ein Lächeln.

Note: This post is in German (say what). Maybe I’ll do a version of it in English, or just practice your German with me if you don’t get what I am saying. FYI, this is a tale about women who don’t smile at work. Or so.

Sind wir doch mal ehrlich, als Servicemaus oder -mäuserich (ich wage mal nur, für eine Anfang 20-Jährige Dame zu sprechen) zu arbeiten ist doch auch eher Prostitution. 

Hat sie nich gesagt..doch hat sie und sie meint es auch so. Wenn man es aushält, dann spielt man damit, dass man halbwegs attraktiv (also jung und weiblich, tbh) mit größerem Ausschnitt, kürzerem Rock und ein bisschen mehr shäkern mehr Trinkgeld bekommt. Girls, es wird Sommer und kellnern ist anstrengend. Sagen wir, ich sehe es aus diversen Gründen nicht ein, mich zu verhüllen und ich weiß, was ich damit ausrichte.

Frei nach dem Motto “Nur Gucken, nicht anfassen” ist es mir bisher glücklicherweise noch nicht passiert, dass ein männlicher Gast mir körperlich zu nahe getreten ist. Der hätte als Erstes ein Weizenglas samt Tablett an der Birne kleben und DANN würde ich fragen, was sein Problem ist. Ich sage immer – und das gilt für jeden Mann – ich könnte NACKT rumlaufen (bit illegal, though) und es hätte niemand das Recht, übergriffig zu werden. Aber es passiert und es fängt im Kleinen an.

Also ab jetzt: Cutting throught the Bullshit. Ich hebe meine Hand für den Club der Mädels, die ihren Freundinnen Selbstbewusstsein und Feminismus und eine Zero-Tolerance-Policy für alles predigen – und dann selbst oft nicht besser sind. Weil es ein Lernprozess ist, zum einen, zum anderen, weil es sich immer alles leichter bei Anderen sagt, als es sich im eigenen Bereich durchsetzen lässt.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass ein bisschen flirten nett ist, dass nett sein zum Job gehört, dass ich damit mein extra Trinkgeld verdiene. Männer sind in der Hinsicht leicht zu beeindrucken und das ist auch okay. Du wirst vom Chef dafür bezahlt, dass du arbeitest, Gast x bezahlt sein Bier. Extra heißt extra nett sein. Aber eben nur das.

Ich stand während einer mehrtägigen Veranstaltung an der Bar (und mir würde gleich mal wieder klar gemacht werden, warum ich manchmal sage, ich arbeite ab und zu als Thekenschlampe, nicht als Barfrau) und ein Gast kam herein um seinen Glaspfand zurück zu bekommen. Er war, wie die meisten Gäste, ein guter Bekannter vom Chef, wie ich nachher erfuhr und hatte schon beim Reinkommen ein typisches “Bro”-Gespräch eingeleitet. Zitat: “Die [meine Kollegin und ich] musste gar nicht erst einpacken, die nehme ich gleich so mit. Großes Gelächter. Nicht auf der anderen Seite der Bar, denn der Mann hätte locker mein Vater sein können und ich fand es recht unappetitlich, solche Altherren-Sprüche zu reißen.

Jedenfalls kam er rein und stellte zwei Gläser auf den Tisch. An dem Tag erforderte das mit dem Geld-Herausgeben einiges an Denksport, das Kleingeld war dank mangelnder Voraussicht auf den Ansturm super knapp und ich musste, so auch für seine 4€, jedes Mal ganz gut herum rechnen, wie viel ich noch im Portemonnaie habe, und wann ich wieder los muss, Geld zusammenkratzen.

“4 € hätte ich gern zurück”, sagte er, als ich schon am kramen war. Wohl mit etwas ernstem Gesicht, denn dann kam der Nachsatz “und ein Lächeln.” Fun fact, wenn ich mich konzentriere, dann strahle ich nicht übers ganze Gesicht. Ich bin grundsätzlich immer sehr freundlich, aber wenn einer Dauergrinsen sehen will, soll er zur Rhythmischen Sportgymnastik gehen und sich eine Kür anschauen. Die müssen lächeln.

Jeder, ob Mann oder Frau, dem ich das erzähle, tat es ab. Mit einem Lachen. Ach, so ist der halt, kam es von einer Seite, das war doch nett gemeint, von einer anderen. Der wollte nur ein bisschen shäkern, der hat sich gefreut, mal so ein hübsches Mädchen vor sich zu haben.

Nächster fun fact, ich bin keine Projektionsfläche für deine Sehnsüchte. Nur weil du vielleicht selten Aufmerksamkeit von jungen Frauen kriegst, die deine Töchter sein könnten, musst du es nicht an mir auslassen. Die “Lächel doch mal” – ´Kiste ist weit geöffnet und es kommen immer mehr kleine Geschichten raus, die sich zu einem großen Teppich knüpfen lassen.

Natürlich ist dieser Einzelfall nicht so traumatisierend für mich, dass ich jetzt nie wieder einen Mann anlächeln werde, einfach aus Prinzip. Aber nett sein ist mein fucking Job und mehr auch erstmal nicht. Ich mache das für jeden, wenn ich es will und in dem Maße, in dem ich es will. Das Problem mit der absoluten Verharmlosung ist nämlich, dass es dann irgendwann heißt, ach der Klaps auf den Hintern, ach das Festhalten am Arm, das war doch nett gemeint.

Jede Frau bestimmt über ihren Körper. Wenn ich meine Gesichtsmuskeln gerade nicht dazu bewegen will, Dir ein strahlendes Lächeln zu schenken? Dann hat es vermutlich einen Grund und du hast kein Anrecht darauf. Es geht nicht um die Sache an sich, sondern um die Denkweise und die Haltung zu Frauen, die immer dahinter steht.

Und dafür bin ich mir zu schade. Schon mal die Geschichte über den kleinen Jungen gesehen, der sein Lächeln verkauft hat? In meinem Pass steht nicht Timm Thaler.

Ihr findet mich an der Bar, mit ernstem Gesicht, während ich den 1000. Aperol Spritz des Abends zusammen kippe ❤

Advertisements

One thought on “Best of Gastro-Life: Und ein Lächeln.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s